Aus einem Zuger Quartier auf die Fahndungsliste des FBI

Die Schweizer Firma Glencore gab heute den grössten Börsengang des Jahres bekannt. Die ersten Geschäfte des Unternehmens wurden aus der Vier-Zimmer-Wohnung des zweifelhaften Gründers Marc Rich getätigt.

Der Rohstoffgigant Glencore nahm seinen Anfang in beengten Verhältnissen. Das vom berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Marc Rich und wenigen Getreuen gegründete Unternehmen startete vor 37 Jahren in einer Vier-Zimmer-Wohnung in einem Quartier von Zug.

In der steuergünstigen Zentralschweizer Stadt gründeten sie im Frühling 1974 die Marc Rich Co AG, nachdem Marc Rich und sein Compagnon Pincus Green das US-Rohstoff-Handelsunternehmen Philipp Brothers wegen Streitigkeiten über die Höhe ihrer Boni verlassen hatten. Um Telexe zu verschicken, mussten sie ins Postbüro, wie Rich-Biograph Daniel Ammann in seinem Buch «King of Oil» schreibt.

Rich profitierte vom Ölschock nach dem Jom-Kippur-Krieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Ihm und seinen Händlern gelang es, das Oligopol der «Sieben Schwestern» genannten Ölkonzerne BP, Chevron, Esso, Gulf, Mobil, Shell und Texaco zu knacken, die den globalen Ölhandel dominierten.

Rich verkaufte iranisches Öl über Israel auf dem freien Markt nach Europa und die USA. Damit wurde der Boykott der Araber nach den Kriegen gegen Israel ausgehebelt.

Steiler Aufstieg

Schon im ersten Geschäftsjahr machte Richs Unternehmen laut Ammann einen Umsatz von 1 Milliarden Dollar und einen Reingewinn von 28 Millionen Dollar. 1975 betrug der Gewinn bereits 50 Millionen Dollar, ein Jahr später 200 Millionen Dollar.

Ende der 1970er Jahre hatte das Unternehmen Büros in 30 Ländern rund um den Globus. Rich handelte unter anderem mit Fidel Castros Kuba, dem Apartheid-Regime in Südafrika und dem Iran, auch nach dem Sturz des Schahs durch Ayatollah Chomeini.

Dadurch geriet Rich ins Visier der US-Justiz. 1983 wurden er und Pincus Green des «grössten Steuerbetrugs der Geschichte», der organisierten Kriminalität und des «Handels mit dem Feind» Iran angeklagt.

Trotz des US-Embargos habe Rich mit iranischem Erdöl gehandelt, während Amerikaner in der US-Botschaft in Teheran als Geiseln gehalten worden seien, lautete der Vorwurf. Rich zog mit seiner Familie Hals über Kopf in die Schweiz um.

Auf die US-Staatsbürgerschaft verzichtete er, nachdem er Spanier geworden war. Rich war während fast zwei Jahrzehnten auf der Fahndungsliste des FBI der meistgesuchten Personen. Erst 2001 wurde er von US-Präsident Bill Clinton begnadigt.

Fusion mit Xstrata im Raum

Das Rohstoffimperium wuchs 1990 weiter, als die Marc Rich Co die Mehrheit an der Beteiligungsgesellschaft Südelektra übernahm, die danach im Rohstoffgeschäft expandierte. Heute hält Glencore noch eine Beteiligung von 34,5 Prozent an der Zuger Firma, die sich später in Xstrata umbenannte.

Über einen Zusammenschluss der beiden Schweizer Konzerne wurde immer wieder spekuliert. Dadurch würde Mehrwert geschaffen, erklärte Glencore-Chef Ivan Glasenberg am Donnerstag. Allerdings sei heute nicht der Zeitpunkt für eine solche Diskussion, nachdem entsprechende Bemühungen an Wertvorstellungen gescheitert seien.

Marc Richs Stern begann Anfang der 1990er Jahre zu sinken. Ein Spekulationsgeschäft auf Zink verursachte einen Verlust von 172 Millionen Dollar, was die Firma an Rand des Ruins brachte. Nach einem verlorenen Machtkampf gegen seine rechte Hand Willy Strothotte, den er 1992 aus der Firma geworfen hatte, musste Rich sein Unternehmen verlassen.

Seine Anteile verkaufte er ans Management und leitende Mitarbeiter. Die neuen Besitzer tauften die Firma in Glencore um und strichen Rich aus der Firmengeschichte. Strothotte übernahm das Ruder. 2002 wurde der Südafrikaner Glasenberg Konzernchef.

Unter ihrer Führung stieg Glencore zum umsatzstärksten Konzern der Schweiz auf. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 145 Milliarden Dollar um und erzielte einen Reingewinn von 3,8 Milliarden Dollar. Der Konzern beschäftigt 55’000 Mitarbeiter in seinen Minen und Werken in über 30 Ländern rund um den Globus. Hinzu kommen noch einmal 2700 Rohstoffhändler.

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Aus-einem-Zuger-Quartier-auf-die-Fahndungsliste-des-FBI-/story/29017010

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