“USA zwingen Zuger Firma zum Abbruch des Benzinhandels mit Iran”

Die USA bereiten schärfere Sanktionen gegen Iran vor. Nun zieht sich der Rohstoffhändler Glencore aus dem Iran-Geschäft zurück. Die Firma Vitol in Genf will vorerst weiter geschäften.

Daniel Puntas Bernet, NZZ am Sonntag

Die vom US-Kongress vorbereitete Verschärfung der wirtschaftlichen Sanktionen gegen Iran richtet sich gezielt auch gegen Schweizer Rohstoffhändler. Weil die Regierung Obama nach einem Jahr diplomatischer Bemühungen keinerlei Fortschritte bei der Eindämmung des iranischen Nuklearprogramms verzeichnen kann, dürfte demnächst eine Verschärfung der Sanktionen folgen. Speziell im Visier haben die USA dabei die Versorgung mit Benzin. Ein entsprechendes Gesetz wurde vom Kongress im Dezember verabschiedet. Kurz zuvor hat der Zuger Rohstoffhändler Glencore seine Benzinlieferung an Iran eingestellt, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Glencore belieferte die Islamische Republik vorher mit täglich 17 000 Fass Benzin, was rund ein Sechstel des iranischen Gesamtbedarfs ausmacht.

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Obschon das Opec-Mitglied Iran zu den grössten Rohölförderern der Welt zählt, ist die Regierung wegen fehlender Raffineriekapazitäten auf den Import von Benzin angewiesen. Dies gilt als ökonomische Achillesferse des iranischen Regimes. Im Dezember mussten die Iraner eine Beschränkung der Bezugsquoten von bisher 100 auf 80 Liter Benzin pro Monat hinnehmen.

Die Ausweitung des Sanktionenregimes könnte den Handelsplatz Schweiz empfindlich treffen. Denn Glencore hat, zusammen mit weiteren Rohstoffhändlern, insgesamt sicher ein Drittel oder noch mehr des iranischen Benzinbedarfs vermittelt. Die Firma Vitol in Genf, der weltweit grösste unabhängige Rohölhändler, gibt sich zwar noch unbeeindruckt vom neuen Wind aus Washington. Vitol spekuliert darauf, dass sich die Obama-Administration nicht auf verschärfte Sanktionen festlegen wird, um die einfache Bevölkerung in Iran zu schonen. Und auch die in Zug ansässige Trafigura hofft auf eine Fortsetzung der lukrativen Geschäfte mit Teheran. Doch werden die Sanktionen erst einmal formell in Kraft gesetzt, dürfte der Druck aus Washington rasch zunehmen.

Im Fall von Glencore haben spezielle Umstände zum raschen Rückzug vom Geschäft mit dem Mullah-Staat beigetragen. Zwar will die Zuger Firma ihren Entscheid nicht kommentieren. Aber vielen Beobachtern ist klar, dass das neue Gesetz im Zusammenhang mit dem avisierten Börsengang von Glencore eine entscheidende Rolle gespielt hat. Denn verschärfte Sanktionen würden es US-Investoren dereinst verunmöglichen, beim weltgrössten Rohölhändler einzusteigen.

Das Einstellen der Lieferung markiert das Ende einer Geschäftsbeziehung zwischen Glencore und Iran, die drei Jahrzehnte gedauert hat. Am Anfang stand ebenfalls ein Embargo der USA gegen Iran. Es war der Amerikaner Marc Rich, der 1979 von Zug aus in kaltschnäuziger Umgehung von US-Sanktionen den Grundstein für seinen Aufstieg zum weltweit grössten Ölhändler legte. Rich, der später seine Firma ans Management verkaufte, woraus Glencore erwuchs, kaufte Iran auch nach dem Sturz des Schahs Öl ab.

In einem kürzlich erschienenen Buch, «The King of Oil», ist beschrieben, wie einer von Richs Händlern am selben Tag in Teheran landet wie der aus dem Exil zurückkehrende spätere Revolutionsführer Ayatollah Khomeiny. Detailliert schildert Rich, wie er den Iranern ihre Rohölproduktion abnahm, damit Irans Erzfeind Israel belieferte und gar US-Gesellschaften iranisches Öl verkaufte. Dies führte zu einer ernsthaften politischen Verstimmung zwischen der Schweiz und den USA.

Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG, January 17, 2001

source:

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/usa_zwingen_zuger_firma_zum_abbruch_des_benzinhandels_mit_iran_1.4526420.html

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